Umgang mit Schuld und Unschuld

Du bist Schuld, dass es so gekommen ist! Du hast doch gesagt, ich soll das so machen!

Kennen Sie diese Sätze? Haben Sie auch schon mal jemandem die Schuld gegeben oder wurden so angesprochen? Haben Sie sich vielleicht auch sowas nur mal gedacht oder schon mal im Umfeld gehört? Für banale Sachen und für richtig schlimme Ereignisse? Was ist denn Schuld überhaupt?

fachlich in Wiki:

Schuldgefühl

Das Schuldgefühl ist eine – normalerweise als negativ wahrgenommene – soziale Emotion, welche aus der bewussten oder unbewussten Überzeugung, etwas Falsches getan zu haben, entsteht. Mögliche körperliche Reaktionen (Erröten, Schwitzen, eventuell sogar depressive Verstimmung, Fieber oder Magenverstimmung) sind oft vergleichbar mit denen der Scham oder Angst, aber meist schwächer ausgeprägt. Schuld, Scham und Verantwortungsgefühl können leicht verwechselt werden, d. h. die Abgrenzung im Erleben des Individuums ist häufig schwierig. In der Fachliteratur wird Scham von Schuld mittels der Bewertungsgrundlage des Verhaltens abgegrenzt: Während Schuld durch eine negative Bewertung eines Verhaltens erzeugt wird („ich habe etwas Falsches getan“), wird Scham durch eine negative Bewertung des globalen Selbsts erzeugt („ich bin ein schlechter Mensch“).

In der ursprünglich auf Freud zurückgehenden Tiefenpsychologie wird das Schuldgefühl durch das „Über-Ich“ ausgelöst. Die Fähigkeit zum Erleben von Schuldgefühlen und deren Auslösbarkeit durch charakteristische aktuelle Lebensereignisse wird nach analytischen und tiefenpsychologischen entwicklungspsychologischen Theorien innerhalb charakteristischer Lebensphasen in der Kindheit erworben.

Auslöser

Schuldgefühle werden, sofern die Fähigkeit dazu vom Individuum schon erworben wurde, ausgelöst, wenn eine sozial unerwünschte Handlung begangen wird. Dies können sein:

Und so weiter und so fort …

 

Interessant ist der Satz aus der Kindheit und das Anerziehen von solchen Gefühlen. Nun ist es mit Sicherheit gut, wenn man auch empathisch fühlen kann ,was andere verletzt und wo fängt es an und wo hört das auf? Ich denke, das ist jedem im gewissen Maße klar! Es sollte hierbei darum gehen, wie weit muss ich mich schuldig oder unschuldig fühlen! Wann verzeihen und muss ich das überhaupt? Was macht es mit uns?

Warum fühlen wir uns verpflichtet? Also schuldig? Vergleicht man es mit Nehmen und Geben, ist hier oft der Punkt in dem Zusammenhang eine böse Schuld erreicht , aber auch eine böse Unschuld zu erleben. Wenn wir etwas gegeben haben, fühlen wir uns sozusagen in einer gewissen Unschuld. Leicht und frei ist das Gefühl von jedweder Verpflichtung.

Kann man schreiben, wir fühlen Unschuld als eine Art Anspruch und die Verpflichtung als Art von Schuld? Im menschlichen Austausch könnte dies sehr wohl im Zusammenspiel zum Tragen kommen! Die Bedürfnisse trachten dabei immer nach Ausgleich, oder?

Nehmen wir an, der Empfänger ist ein Täter und der Geber das Opfer. Demnach hat das Opfer einen Anspruch und der Täter fühlt sich dazu verpflichtet. Das Opfer sühnt nach Rache und wird sich wahrscheinlich erst wieder gleichwertig fühlen, wenn beide gleich viel verloren und gelitten haben. So habe ich es in meinen Klienten oft nachvollzogen, wenn ich versucht habe zu verstehen, was in diesen Menschen vorgeht. Eine Wiederherstellung des Schadens, mit einem „verzeih mir!“, „stell dich nicht so an!“ oder anderen Ausgleich, hat meist nicht ausgereicht, bevor diese Personen zu mir kamen. Und oft hat ein Gegenüber dies noch nicht mal Zustande gebracht.

Versöhnung ist demnach immer erst möglich gewesen, wenn der Unschuldige böse geworden ist und eine Sühne gefordert hat. Allerdings konnte ein Miteinander nur wieder hergestellt werden, wenn das Opfer dem Täter ein bißchen weniger angetan hat, als er/sie selber gelitten hat. Sonst war kein Kompromiss oder Ausgleich mehr möglich.

Beispiel: Ausgleich in einer Beziehung am Arbeitsplatz

Ein Arbeitgeber hatte einem Mitarbeiter bei einem Wechsel in eine andere Abteilung mehr Geld versprochen. Der Mitarbeiter wechselte und fragte nach einer geraumen Zeit, wann dieses denn nun stattfinden würde. Der Arbeitgeber winkte ab und meinte, es würde stattfinden wenn der Mitarbeiter noch mehr Qualifikationen nachweisen würde. Der Mitarbeiter stellte sich dagegen und der Arbeitgeber strafte ihn mit einer minderen Tätigkeit dafür ab.

Damit hatte er dem MA etwas angetan, um eine Ordnung wieder herzustellen, war ein Ausgleich fällig. Wie also den Mitarbeiter wieder gewinnen? Welchen Vorschlag könnte der Mitarbeiter machen, um ein Vertrauen wieder herzustellen?

Der Mitarbeiter schlug einen Deal vor, der lediglich das Ausscheiden des Arbeitnehmers herbeiführte. Eine einstweilige Wiedergutmachung trat in den Mittelpunkt. Dieser Ausgleich hatte ihm aber nicht genug abverlangt. Es war kein halbes pädagogisches Entgegenkommen. Man überlegte, wie man auf beiden Seiten einem Gesichtsverlust vermeiden könnte und mit einer gewissen Liebe die Beziehung wieder in Einklang bringen konnte.

Der Mitarbeiter wurde aufgrund seiner guten Leistung in der Vergangenheit, wieder in seine Position zurückgesetzt. Bekam die versprochene Gehaltserhöhung, passend zu seiner Tätigkeit und erweiterte seine Qualifikation, um dann wieder angleichend eine weitere Gehaltserhöhung zu erhalten. Schließlich gehe man arbeiten, um Geld zu verdienen. Und der Mitarbeiter wurde mit seinem neuen Gehalt eine immer wertvollere Fachkraft.

Quintessenz: Wenn ein Vorgesetzter zu konsequent ist, verliert er die Liebe. Er muss nachgeben, damit die Liebe gegen die Prinzipien erhalten bleibt. Und wenn ein Vorgesetzter keine Prinzipien hat, schadet dies den Mitarbeitern auch.

Ein „tut mir leid!“ in jedweder Form, ist im gegenseitigen Austausch eine bessere Lösung, und lässt Raum für Ebenbürtigkeit, als um Verzeihung zu bitten oder noch schlimmer zu fordern. Oft hat dies zur Folge, das wenn man verziehen hat, immer ein Fehlen von Gleichwertigkeit stattfindet. Nichts anderes hat ein Beichten auf sich. Es schiebt dem anderen die Folgen seines Verhaltens zu.

Verzeihen hat also nur einen Sinn, wenn es gegenseitig geschieht!

Er dient aber selten der Lösung eines Konflikts. Es ist mehr ein Ausweichen 😉

Wahre Versöhnung ist nur möglich, wenn der Unschuldige eine Wiedergutmachung fordert. Er hat sozusagen tiefenpsychologisch die Pflicht dazu. Umgekehrt hat der Schuldige nicht nur die Pflicht, sondern auch das volle Recht, die Folgen seiner Vorgehensweise zu tragen. Genauso hat er in dem Punkt das Recht mit dem Groll des anderen konfrontiert zu werden. Es ist richtig jedem Menschen in seinen ‚Fehlern‘, mit einer Art bedingungsloser Liebe, entgegen zu kommen. Man sollte auf der anderen Seite dabei versuchen, seinen Groll auch angemessen zu formulieren.

Wenn uns also jemand zu tiefst verletzt hat, ist es unsinnig, so zu tun, als seien wir nicht verletzt. Wenn wir uns über etwas ärgern, haben wir das Recht darauf, den anderen damit zu konfrontieren. Wir sind es uns schuldig, unsere Verletzung auszudrücken.

Bitten Sie für eine ‚echte‘ Versöhnung ihr Gegenüber, etwas als Wiedergutmachung, das ihn fast soviel kostet, wie damals Ihre Verletzung. Dann kommt alles wieder ins Gleichgewicht und führt zu keinem Gesichtsverlust. Es ist dabei förderlich zu bedenken, das man beim Sinn nach Ausgleich nicht an die Grenzen geht und die Sühne auch wirklich annimmt. Sonst wird es am Ende am Unschuldigen scheitern. Er ist böse und fühlt sich dem Schuldigen gegenüber überlegen. Dieser weist dann den Schuldigen zurück, als bräuchte er ihn garnicht. Gegen solche Unschuld hat ein Unschuldiger dann auch wirliche keine Chance!

 

In diesem Sinne: Verzeihen ist gut, Ausgleich ist besser!

 

Ihre,

Marion June Lenz

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